Unser erstes „festes“ Reiseziel ist ein nettes kleines Häuschen mit Meerblick irgendwo mitten auf dem „Ring of Beara“ zwischen den Orten Ardgroom und Eyeries.

Ben gefällt´s hier richtig gut

Ben gefällt´s hier richtig gut

Es dauert nicht lange und Ben fühlt sich hier wie der neue Großgrundbesitzer. Mit Argusaugen beobachtet er alles und jeden, der sich „seinem“ Reich nähert und schlägt mit einem sonorem Grummeln und einer Punkfrisur an, wenn er meint, dass Gefahr droht. Aber da hier nicht viel los ist – trotz Hauptsaison und Hauptstraße – bleibt auch viel Zeit, sich zu entspannen.

 

Panoramaküstenstraße – der Ring of Barea

Im Südwesten Irlands liegt der „Ring of Beara“ – eine ca. 140 km lange Panoramaküstenstraße auf der gleichnamigen Beara-Halbinsel, auch Caha-Halbinsel genannt.

Der „Ring of Beara“ wird gerne als „kleine Schwester des touristisch mehr erschlossenen „Ring of Kerry“ bezeichnet. Im Gegensatz zu dem nördlicheren, auf der Halbinsel Iveragh gelegenen Ring of Kerry ist die kleine Schwester weitaus weniger befahren. Das liegt auch daran, dass die Straße für Reisebusse einfach zu schmal ist. Und für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 2,8 Tonnen – also LKWs und schwere Wohnmobile – ist sie gesperrt. Aber auch für Ottonormalverbraucher ist die Straße an manchen Stellen echt richtig eng und wenn einem dann noch ein Fahrzeug entgegen kommt, wird es kniffelig.

Obwohl der Ring of Beara nur 140 km lang ist, dauert eine Rundtour mehrere Stunden. Wer noch zwischendurch Fotos schießen möchte, muss noch ein paar Stunden dazurechnen, da theoretisch alle paar Meter ein neues, wunderschönes und atemraubendes Panorama auftaucht und man es irgendwie einfangen möchte. Klick.

Für Irlandreisende, die beide Ringe erkundet haben, ist die kleine Schwester die weitaus attraktivere von beiden.

 

Entschleunigt …

Als wir hier angekommen, ist es, als steht die Zeit still. Es ist einfach unglaublich ruhig hier und die atemberaubende Natur tut ihr übriges. Ankommen. Durchatmen. Den Alltag hinter sich lassen.

Der Ring of Beara ist der ideale Ort für alle, die jenseits vom geschäftigen Treiben in der der Natur ihren Akku wieder aufladen wollen.

So richtig „viel“ zu sehen gibt es hier genau genommen nicht. Eine tolle, abwechslungsreiche und reizvolle Landschaft, ja – aber darüberhinaus ist mit Sightseeing genaugenommen auch Schluss.

Es gibt ein paar Punkte, die hier als Sehenwürdigkeiten ausgeschildert sind, aber ich habe eher den Eindruck, als seien es speziell für Touristen an den Haaren herbeigezogene Attraktionen, um die kleine Schwester des großen Rings of Kerry bekannter zu machen. Muss das sein? Nein. Hat sie garnicht nötig. Auch ohne wirkliche Highlights darf der kleine Ring stolz auf sich sein und sollte mit seiner Schönheit und der Ruhe, die sie ausstrahlt, für sich stehen. „Lidschatten, Eyliner, Wimpertusche und Lippenstift“ wirken auf mich künstlich und unecht.

Wenn man das weiß, dann kann mit sich ohne große Erwartungen den einen oder anderen als „sehenswürdig“ angepriesenen Punkt anschauen, der gerade auf der Wandertour liegt. Apropos Wandern: es gibt hier einen rund 200 Kilometer langen Wanderweg und daneben auch viel kleine „Rundwege“ in unterschiedlichen Längen und Schweirigkeitsgraden.

Einen besonders schönen Wanderweg haben wir direkt vor unserer Haustür. Die fünf Kilometer lange Tour führt direkt an der Küste entlang und bietet wunderschöne Ausblicke. Ein Traum.

 

Vorbei gekommen ….

Typisch: bunte HäuserCastletownbere ist der „Hauptort“ der Halbinsel und mit rund 1500 Einwohnern letztlich auch recht beschaulich.

Es kommt sicherlich auch ein wenig darauf an, wann man das Örtchen passiert – denn wenn hier auf der Halbinsel der Mob tobt, dann sicher hier. Allerdings muss für das Streetlife auch das Wetter mitspielen und das ist in Irland so eine Sache für sich. Wir sind seit über einer Woche in Irland – im Hochsommer wohlbemerkt und das Thermometer hat bisland die 20 Grad Marke nicht ansatzweise knacken können ….

Auffällig hier – wie auch in vielen anderen Örtchen auf Beara – sind die bunten Häuser. Gerne werden die Hausfassaden in den unterschiedlichsten Farben gestrichen, so dass es für die Betracher ein schönes, lebensfrohes Bild ergibt. Eyeries, ein Örtchen am Kenmare-River – soll das „buntesten Dorf“ Irlands sein.

DunboyCastleNur zwei Kilometer vom Örtchen entfernt kann das Dunboy Castle oder vielmehr die davon übriggebliebenen Ruinen besichtigt werden – und das nur aus der Ferne. Auch wieder so eine Pseudosehenswürdigkeit, wobei das Gelände um diesen baufälligen Landsitz zu einem schönen Spaziergang einlädt, bei dem auch Hunde mal unangeleint laufen können.

Gerne hätte ich eine offene Meditation im Dzogchen Beara besucht, aber in der Woche wurden aufgrund einesmehrtägigen Retreats mit Sogyal Rinpoche keine offenen Meditationen möglich. Schade.

KenmareAusgangspunkt für die „Rundreise“ ist das Städtchen Kenmare. Da man auf der Insel nicht wirklich gut und schon garnicht günstig einkaufen kann, sollte man sich Kenmare im Aldi oder Lidl gut für die Tage eindecken, sofern man eine Unterkunft irgendwo „JWD“ am Ring of Beara hat. Denn auch wenn kilometermäßig alles „dicht  bei“ erscheint, so streckt sich manche Kurzstrecke zeitlich ganz schön in die Länge …

durseyAm südwestlichen Ende der Beara-Halbinsel liegt rund 230 Meter vom Festand entfernt Dursey – eine schnuckelige Miniinsel, die nur mit einer Seilbahn erreicht werden kann. „Unbedingt ansehen – das ist so toll“ – so die Empfehlung eines Irland-Liebhabers, der Dusey bereits vor uns erkundet hat. Normalerweise sieht man immer und überall das Schild „Dogs not allowed“ und so haben wir uns ohne große Hoffnungen an den Südzipfel der Beara-Insel aufgemacht, um wenigstens einen Blick auf das Spektakel zu erhaschen … Umso überraschter waren wir, dass die Informationen aus dem Internet, der generelle Transport von Tieren mit der Seilbahn sei seit 2012 komplett untersagt, eine Fehlinformation war. Wir konnten also rüber! Hier hätte ich mir im Nachhinein allerdings gewünscht, das „Dogs not allowed“ Bestand gehabt hätte …. Mehr über Dursey-Island und meine ganz besondere Beziehung zu der Miniaturinsel könnt ihr >> hier nachlesen.

mollysZwischen Kenmare und Glengarriff liegt die traditionelle Farm von Molly Gallivan. In diesem rund 200 Jahre alten Cottage wird gezeigt, wie die Menschen früher auf dem Land lebten und sich selbst versorgt haben. Eine illegale Whiskey-Brennerei, wo „Molly’s Mountain Dew“ (Mollys Tau der Berge) destilliert wurde, gehörte auch dazu! Ich vermute mal, dass bei den hohen Preis für Spirituosen auch heute noch in so manchem Keller illegal Schnaps gebrannt wird …

Ansonsten ist Molly Gallivans Farm der Ausgangspunkt für verschiedene „Loop Walks“, die mit Hund allerdings nicht wirklich viel Spaß machen, da die Tiere hier unbedingt angeleint sein müssen ….

Schöner sind Spaziergänge hingegen im Glengarriff Naturschutzgebiet. Hier gibt es mehrere Wanderrouten in unterschiedlichen Längen. Die Landschaft ist – wie fast überall – reizvoll und hier kann der Hund auch mal abgeleint werden. Das Städtchen Glangarriff selbst ist – wie alle Orte hier – ziemlich „verschlafen“ und wird wahrscheinlich erst gegen Abend bei einem zünftigen Guinness und irischer Lifemusik so richtig wach.

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