Viele Yogalehrer träumen davon, Yoga und Reisen irgendwie miteinander zu verbinden. Es gibt sicherlich auch einige, bei denen das gut funktioniert. Ich musste leider feststellen, dass mein Traum wohl doch eher eine Illusion war. Denn wenn das „Überleben als Yogalehrerin“ an sich schon richtig kniffelig ist, dann bekommt das für „reisende Yogalehrer“ nochmal eine ganz neue Bedeutung …

Viele Veranstalter gehen anscheinden davon aus, dass Yogalehrer unbezahlt unterrichten. Schließlich bekommen sie Kost und Lodgis gestellt und das ist dann ja kostenloser Urlaub. Mit etwas Glück, gibt es noch ein kleines Taschengeld oder die Anreise wird bezahlt – ich hatte aber tatsächlich auch schon Angebote, bei denen keins von beiden „drin“ war. Dafür mache man ja schließlich in einen Traumgegend „Urlaub“. Okay …

Ich gebe zu, dass mich das anfangs alles sehr gereizt hat. Gerne wäre ich mal ein Jahr mit Yoga auf „Welttournee“ gegangen, aber das hätte ich mir garnicht leisten können. Denn selbst wenn man Unterkunft und Verpflegung gestellt bekommt, so werden viele andere Kosten garnicht gedeckt. Die Versicherung etc. laufen ja weiter und hier und da gibt es dann auch als Yogi individuelle Bedürfnisse. Und dann muss ich ja auch noch von A nach B kommen …

Es ist doch schon interessant, dass anscheinend alle meinen, Yogalehrer leben von Luft und Liebe. Tun wir sicherlich auch ein stückweit mehr als andere – jedenfalls die haupt- und freiberuflichen Yogalebenskünstler unter uns – aber irgendwann ist es echt gut gewesen!

Ich wollte im September ein Retreat leiten und habe mich sehr darauf gefreut. Dann ist etwas dazwischen gekommen und die geplante Mitfahrgelegenheit platzte kurzfristig. Sprich, ich musste mich nach neuen Reisemöglichkeiten umsehen und feststellen, dass die Anfahrt entweder rund 20 Stunden gedauert hätte oder mein gesamtes „Taschengeld“ dabei drauf gegangen wäre. Ich bat die Organisatoren um einen Kompromiss, aber ich stieß auf taube Ohren und absolutes Unverständnis. Das sei alles mein Poblem, so die Aussage, da müsse ich eben sehen, was ich mache.

Ich hatte also die Wahl: null Honorar oder eine völlig indiskutable Anreise von voraussichtlich über 20 Stunden.

Ganz ehrlich, meine Motivation sinkte ´gen Null. Und so habe ich mich entschlossen, dass unter den Umständen nicht durchzuführen. Mein Vorschlag wäre gewesen, dass man mich nach einer 16-stündigen Busfahrt „kostenlos“ vom Busbahnhof abholt, und ich so etwas Zeit und Geld sparen kann … Die Antwort war, dass ich genau wie alle anderen 90 Euro für den Service zu zahlen hätte, weil der Weg von 80 Kilometern so lang, so teuer und so zeitraubend sei … AHA! Das heißt im Umkehrschluss, dass meine Zeit wohl wertlos ist und keine Rolle spielt. Und als dann noch der Kommentar „Und selbst wenn das ganze Geld dabei draufgeht, dass ich doch Urlaub für dich“ kam, war ich wirklich sprachlos. Elf lange Yogastunden in sechs Tagen sind also Urlaub …

Bitte nicht falsch verstehen, auch die Veranstalter sind von anderen Voraussetzungen ausgegangen und natürlich hätte auch sie das etwas Zeit und Geld gekostet – aber es wäre ein Kompromiss gewesen.

Wie dem auch sein, mir ist klar geworden, dass ich „Yoga und Reisen“ so nie wieder erleben möchte. Denn bei aller und wirklich großen Liebe zum Yoga – ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt. Und dafür, dass ich woanders präsent bin, sage ich schließlich vor Ort auch alle Kurse ab. Und dann muss ich mir noch anhören, dass das kostenloser Urlaub für mich ist … Und mich immer wieder zu erklären, dass auch „Yoga“ Arbeit ist, da habe ich keine Lust mehr drauf ;-).

Ganz ehrlich, das sollte man mal einem Manager, einem ganz normalen Angestellten oder auch einem Unternehmer sagen: Hey, schön dass du kommst und uns berätst, deine Dienstleistung anbietest, aber es ist ja klar, dass du die Fahrtkosten selbst trägst und mit deinem Honorar müssen wir auch schauen, aber du bekommst eine kleine Aufwandsentschädigung. Davon kannst du dann ja auch die Fahrtkosten, die du ja absetzen kannst, bezahlen. Yes, wie cool ist das denn! Ich sehe es vor mir , wie hier alle einen Freudentanz aufführen. Und der Angestellte kann für diese Reise direkt Urlaub beantragen. Die drei Beratungsstunden pro Tag bekommt er gut geschrieben, die Vorbereitungszeit geht dann aber bitteschön auch auf seine Kappe! Ist ja schließlich alles wie Urlaub mit kostenloser Übernachtung im Wellnesshotel! Und das Dinner am Abend mit einer tollen Gesellschaft – Anwesenheit unbedingt erwünscht – bekommen alle ja noch „on top“ dazu! Zudem hat das Hotel eine schöne Sauna und liegt in der Nähe vom Meer! Yippie Yah Yei Schweinebacke! Wie geil, oder?! Fast wie so ein Sechser im Lotto! Und das bisschen Beratung und die Vorbereitung ist ja schließlich das, was alle gerne machen! Die Gesichter möchte ich mal sehen …

Gut, ich hätte mich vorher besser informieren müssen, das war ganz klar mein Fehler. Basta. Aber genau genommen ist eine frühzeitige und somit günstige Buchung der Anreise selten möglich, da ja oft bis zum Schluss garnicht klar ist, ob die Reise überhaupt stattfindet. Und dass man dann ggf. alle Stunden schon abgesagt hat, interessiert den Veranstaltern nicht die Bohne. Ist halt Pech … Ich hätte das garnicht zusagen dürfen, denn wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, passt es nicht.

Wirklich erstaunlich, dass das anscheinend überall gut funktionier! Das können sich dann doch eigentlich nur diejenigen leisten, die Yoga als Hobby unterrichten, so just for fun und nebenbei. Würden alle Yogalehrer hier an einem Strang ziehen, sähe das auch schon wieder ganz anders aus …

Aber gut, das ist Vergangenheit und ich möchte nicht rumgrollen … Wie schrieb ich neulich so schön: auch das geht vorrüber …

Und ich weiß jetzt,  dass ich Yogareisen, Workshops & Co nur noch unter fairen und wertschätzenden Bedingungen zusagen werde, damit der schöne Traum nicht wieder wie eine Seifenblase zerplatzt … 😉 …

Yoga ganz alleine nur für mich am Strand – das ist Urlaub für mich.

 

Namaste!

Kerstin

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