Birgit Schulte Bisping lernte ich 2008 kennen, als ich für eine von mir betreute Kinderseite eine Reportage über Käseherstellung machte. Sie war mir gleich sympathisch, denn Birgit strahlt einfach. Wie sie und was sie macht kommt von Herzen und das sieht und spürt man. Als ich sie 2013 endlich einmal wieder getroffen habe, ist sie seit drei Jahren Witwe, doch auch dieser Schicksalsschlag hat die fünffache Mutter nicht aus der Bahn geworfen.

Alles Käse? Ich glaube, so etwas hat Birgit Schulte-Bisping noch nie gedacht, obwohl sie jeden Tag davon umgeben ist. In Westbevern-Vadrup auf dem Hof der Familie Hof Schulte Bisping dreht sich tatsächlich alles im das Milchprodukt, was dort noch per Hand hergeestellt wird.

Und jetzt ist sie auch bei Land und lecker zu sehen 🙂

Vor gut 18 Jahren haben sich die Tore von Birgits Hofkäserei in Westbevern geöffnet. „Angefangen hat alles mit der Geburt unseres ersten Sohnes vor 23 Jahren“, erzählt die Hofkäserin, die ursprünglich einmal Mathematik auf Lehramt studiert hat und anschließend Fotografin wurde … „Sebastian bekam von den konservierten Lebensmitteln ständig neue Allergien und deshalb fing ich an, unsere Ernährung komplett ummzustellen und alles, was eben möglich war, selber zu machen.“ Neben Marmelade, Brot, Quark und Joghurt wurde auch Käse in der heimischen Küche hergestellt – im großen Spaghettitopf. „Wir waren alle total fasziniert, dass das überhaupt funktioniert“, erinnert sich Birgit Schulte Bisping. „Zudem schmeckte alles wie doll und auch die Allergien unseres Sohnes verschwanden langsam.“

BirgitBirgits Vorliebe für Selbstgemachtes blieb auch Nachbarn und Freunde nicht verborgen und so entstand im Laufe der Jahre ein lebhafter Handel in der Hofküche.

„Klar, dass das kein Dauerzustand war“, kommentiert die Käsefachfrau mit einem Schmunzeln das damaligen Küchenchaos. Deshalb entschloss sie sich, eine Gesellenprüfung als Hofkäserin abzulegen. Das war du der Zeit auch ohne Lehrjahre möglich. Die Prüfung schaffte die emsige Hofbäuerin mit Links, das Wissen hat sie sich schließlich jahrelang selbst angeeignet. „Meine Berufsgruppe ist mittlerweile rar gesät“, fügt Birgit hinzu, „heute wird alles im Molkereifach zusammengefasst.“

Die frisch gebackene Hofkäserin entschloss sich dann kurzerhand, aus dem geplanten Fotolabor eine Käserei entstehen lassen – die bis heute kleinste in Europa. Hier werden seitdem mit Sachverstand und ganz viel Herzblut rund 30 verschiedene Käsespezialitäten und viele weitere leckere Milchprodukte gezaubert. Etwa 2000 Liter verarbeitet Birgit Schulte Bisping Woche für Woche in ihrer Hofkäserei.

Rund 10 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet sie durch den Verkauf in ihrem liebevoll eingerichteten Hoflädchen, der an drei Tagen in der Woche geöffnet ist, der Rest wird in ganz Deutschland ausgeliefert, selbst bis nach München.

Die Milch, die sie verarbeitet, kommt übrigens ganz frisch von den hofeigenen Kühen! Der Hofbetrieb, also die rund 50 Milchkühe und die Nachzucht sowie der Ackerbau, waren eigentlich die Aufgabe ihres Mannes, der vor vier Jahren starb.
„Vom Ausbruch der Krankheit bis zu seinem Tod, der leider nicht abzuwenden war, hatten wir genug Zeit, um die Hofübergabe zu machen.“ Birgit erinnern sich noch gut daran, wie sie ihr geliebter Mann an seinem Krankenbett unterwiesen hat, wie der Hof am besten zu führen ist. „Das mag sich für viele krass anhören, aber für uns war es wichtig, auf diese Art auch schon etwas Abschied zu nehmen.“

Seitdem muss die taffe 48-Jährige alle Kraft und allen Mut aufbringen, um das Familienunternehmen am Laufen zu halten. Zum Glück hat die fünffache Mutter ein tolles Team um sich herum, allen voran Landwirt Maik , der sich zum großen Teil um den Betrieb kümmert. „Wir arbeiten hervorragend zusammen. Maik steckt eben soviel Leidenschaft in alles wie ich selber – wir haben in den vier Jahren enorm viel geschafft“, stellt Birgit fest, „In den vergangenen Jahren bin ich wirklich über mich hinausgewachsen. Ich habe viel gelernt und wir haben viel bewirkt – die Käserei hat ihren Umsatz in den letzten Jahren sogar um 30 Prozent steigern können“, resümiert die Hofchefin nicht ohne Stolz.

Birgits Tag beginnt in der Regel um 5 Uhr morgens und endet dann, wenn eben alles erledigt ist. Da kann es schon mal etwas später werden. Von Hektik und Stress ist hier auf dem Hof dennoch nichts zu spüren. Selbst wenn mal was wirklich verdreht läuft, dann ist das eben so. Ich war zufällig gerade da, als der Käse einmal nicht fest wurde. „Das erste Mal in all den Jahren“, stellt Birgit damals fest. Nicht wirklich ideal, zumal so mehrere hundert Liter Kuhmilch einfach unbrauchbar waren. Auch aus wirtschaftlich Sicht erstmal ein Schock, aber Birgit steckte das weg, als wäre es nichts. „Was soll ich mir über gelegte Eier einen Kopf machen?“ war ihr Kommentar. Nur herausfinden, woran das nun gelegen haben könnte, wollte sie auf jeden Fall.

Trotz der vielen Arbeit und des traurigen Schicksalsschlags strotzt Birgit vor Zuversicht und Lebensfreude. Für all ihre Kunden, die sie immer wieder gerne ihr gemütliches Hoflädchen aufsuchen, hat sie neben tollen hausgemachten Produkten stets ein freundliches Wort und ein ansteckendes Lächeln parat.

Mensch und Tier mit Respekt und Liebe zu begegnen, das ist ihre Lebensphilosophie. Es ist ihr wichtig, auch zu den Tieren einen wirklich guten Draht zu haben. „Das mache ich mir manchmal wirklich zur Aufgabe, dass ich bewusst darauf achte, mehr Zeit mit den Kühen zu verbringen“, sagt sie. In der Käserei helfen darüber hinaus oft Menschen aus, die in anderen Betrieben keine Chance bekommen hätte. „Ich weiß nicht, woran das liegt“, schmunzelt  Birgit, aber irgendwie zieht dieser Ort die Menschen magisch an. Und es scheint ein Ort der Heilung zu sein.

Birgit, du bist eine ganz tolle Frau! Danke, dass ich dich kennenlernen durfte!

Kerstin

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