Jeder kennt sie, die „nervigen“ Erwartungen an sich selbst oder an andere, die – wenn sie nicht erfüllt werden – meistens zu einer (bitteren) Enttäuschung führen.

Ein Thema, das mich immer wieder einholt. So oder andersrum … Auch wenn ich diesbezüglich schon um einiges entspannter bin, bleibt dennoch ein Pieks zurück.

Osho hat es in dem Buch „Ego. Von der Illusion der Freiheit“ treffend beschrieben: Wünsche oder auch Erwartungen sind wie Bettler. Insgeheim immplizieren meine Erwartungen oder Wünsche einen Mangel, den ich in mir selbst spüre. Und weil mir was fehlt, bettle ich, um diese Lücke zu füllen. IchEgo, das vom Mind bestimmte Opfer.

Je „näher“ mir Menschen stehen, desto schwerer fällt es mir, den „Stich“ unterschwelliger unerfüllter Erwartungen nicht zu spüren. Es kommt in Freundschaften bei mir immer wieder vor, dass das Gefühl aufkommt, mehr zu geben, als zu bekomme. Freunde, die immer gerne auf mich zurück greifen, wenn es ihnen schlecht geht, aber nie da sind, wenn ich sie mal brauche.
Das kann ich mittlerweile schon recht entspannt beobachten und entsprechend ziehen lassen.

Dennoch bleibt ein „Knack“ dabei, denn wenn sich da was anhäuft, verspüre ich oft wenig Lust, weiterhin (viel) Zeit mit diesem Menschen zu verbringen. Natürlich weiß ich, dass es ja an mir selbst liegt – es hat mich niemand dazu gezwungen, Zeit und sonstwas zu „verschenken“. Und es tut ja auch gut, für andere da zu sein. Und ich mache das gerne. Aber dann gibt es eben auch Tage, da bin ich selbst im Mangel. Und dann keimt der Wunsch auf, auch mal ein Ohr, etwas Unterstützung, eine Umarmung oder was auch immer zu bekommen. Ja – manchmal bin ich noch ein elender Bettler und brauche etwas Anerkennung und Zuneigung. Aber es ist kein Groll da und ich nehme es nicht mehr persönlich.

Nur macht in einer fruchtbaren, ausgewogenen Freundschaft ein Wechselspiel des Gebens und Nehmens einfach mehr Freude. Es fruchtet mehr und lässt einander gemeinsam wachsen. Was meint ihr zu diesem Thema?

Auf der anderen Seite hatte ich eine berufliche Situation, in der ich den Erwartungen nicht gerecht geworden bin. Es gab eine Vereinbarung, eine Tätigkeit durchzuführen und es wurde ein Stundensatz vereinbart. Am Ende hat die Person damit gerechnet, dass ich die Aufgabe in viel kürzerer Zeit erledigen würde, als ich tatsächlich gebraucht habe. Meinen Kompriss hat sie ignoriert und will mir das Geld nicht zahlen. Du Summe, die sie bereit ist zu zahlen, entspricht etwas einem Drittel der tatsächlich aufgebrachten Stunden.

Nachdem sie sich wochenlang nicht gemeldet hat, kommt sie jetzt mit einer „Mängelliste“ daher, die angeblich da waren.

Auf meine Argumentation hin, dass es mir Leid tut, ihre Erwartungen nicht zu erfüllen, ich aber meinerseits auch völlig andere Erwartungen hatte und den Job – wenn sie ihre Erwartungen rechtzeitig kommuniziert hätte – garnicht erst angenommen hätte, geht sie garnicht ein … Sie sucht gerade wie eine Ertrinkende nach „Fehlern“, die sie mir vorhält, um das Geld nicht zu zahlen.

Und hier stehe ich jetzt und frage mich: Soll ich mich einfach umdrehen und gehen? Tief durchatmen und auf das Geld scheißen. Ich werde davon nicht sterben, wenn ich es nicht bekomme. Andererseits ist es für mich nicht das erste Mal, dass ich viel investiere, viel reingebe und am Ende so „verarscht“ werde.

Oder einfach mal sagen, nö, so nicht und mir einen Anwalt nehmen. Allerdings gibt es nur einen mündlichen Vertrag. Aber das kostet dann wieder Zeit und auch Energie.

Für ihre Erwartungen kann ich nichts, genausowenig, wie andere etwas für meine Erwartungen können!

Tja. Ich würde mich über euer Feedback freuen!

Namaste

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