Die Prüfungen sind geschafft. Die Voraussetzungen für das Zertifikat ebenfalls. Und ich bin geschafft. Das Yoga so stressen kann und ich zwischendurch dringend eine Yogapause brauchte, hätte ich niemals für möglich gehalten … Naja, genau genommen liegt das nicht am Yoga, sondern an den Film, in dem ganz unverhofft eine Rolle auf´s Auge gedrückt bekommen habe, eine Rolle, die mir so gar nicht schmeckte.

Als ich mich nach der Regenkatastrophe spontan für eine Yogalehrerausbildung entschieden habe, bin ich davon ausgegangen, dass es eine sehr intensive, harmonische, philosophische, menschlich bereichernde Zeit werden würde. Ich weiß ja selber, dass es nicht immer gut ist, mit „großen“ Erwartungen an etwas ranzugehen, aber das, was ich erlebt habe, war echt heftig. Jetzt müsste hier ein schönes Video kommen ;-).

kopfstand

Was sich in den sechs Monaten abgespielt hat, ist nicht in Worte zu fassen. Da kommt ein Mensch daher, der andere am laufenden Band verletzt, schikaniert, vor anderen bloß stellt, nur am Profit orientiert ist und sein eigenes Wohl über alles andere stellt. Ein Mensch, der von sich behauptet, eingefleischter Yogi zu sein und immer wieder predigt, wie wichtig die Yamas und Niyamas sind. Ein Mensch, dem Äußerlichkeiten sowas von wichtig sind. Hier gingen Theorie und Praxis weit auseinander! Ich würde sogar sagen: Nordpol – Südpol, wo wir wieder bei den Dualismen im Hatha Yoga sind: die zwei Seiten einer Medaille.

Der allererste Schritt in Pantanjalis achtgliedrigem Pfad, das allererste Yama ist Ahimsa – Gewaltlosigkeit. Und schon hier hat nichts gestimmt. Es ist völlig unwichtig, ob ich die ganze Philosophie rauf und runter beten kann – wichtiger ist, zumindest ansatzweise zu versuchen, die Weisheiten im Herzen aufzunehmen und danach zu leben.

Wie kann es angehen, dass ein solcher Mensch als Yogalehrer auf andere losgelassen wird? Ein Yogalehrer, der andere klein macht, beschimpft, der am laufenden Band wertet. Ich war mehrfach kurz davor, das Handtuch zu werfen, denn eigentlich darf man ein solches Verhalten nicht unterstützen. Es ging nicht nur mir so – ich befinde mich da in allerbester Gesellschaft. Jeder bekommt hier irgendwann sein Fett weg. Gespräche auf Augenhöhe? Fehlanzeige. „Guck bei dir“, ist dann die obligatorische Einheitsantwort.

Ja, ich habe auch bei mir geschaut. Diesmal sogar ganz genau. Das versuche ich immer. Und ich habe gelernt. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber ich habe gelernt, dass ich mir nicht jeden Schuh anziehen darf und muss. Ich habe gelernt, die ollen Latschen beim Besitzer stehen zu lassen und die Beschimpfungen, die Häme, die Bosheiten nicht auf mich zu beziehen. Was ich theoretisch auch schon wusste: Wer so agiert, ist mit sich selbst alles andere, nur nicht im Reinen.

Und so gesehen bin ich sehr dankbar, denn ich bin in diesem halben Jahr wirklich gewachsen. Ich habe mich nicht zu unkontrollierten Wutausbrüchen hinreißen lassen, habe nicht wild um mich geschlagen, weil ich mich persönlich angegriffen gefühlt habe. Habe nicht aufgegeben und ich habe mir die Freude und den Spaß an Yoga nicht verderben lassen. Ich habe mich selber und mein Ich noch ein Stück mehr lieben gelernt und das fühlt sich großartig an.

Und so sage ich der Seele von Herzen „Danke“ dafür, dass ich all das lernen durfte und Raum zum Wachsen hatte. Und ihr wünsche ich den Mut, dem Spiegel nicht immer auszuweichen, sondern selbst auch mal reinzuschauen, auch wenn das erst einmal alles andere als angenehm ist. Ein andauernder Prozess.

So. Yoga. Jetzt.

Namaste.

 

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