Achtsamkeit – auch so ein Wort, das ja derzeit ganz schön in Mode ist. Es gibt unzählige Bücher, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Die Schulung der Achtsamkeit soll Gelassenheit fördern und zu innerem Glück verhelfen.

Eine wirklich einheitliche Definition von Achtsamkeit gibt es nicht. Da das Wort gerne mit dem Buddhismus und mit Meditation in Verbindung gebracht wird, könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, Achtsamkeit sei die Versenkung, Entspannung oder Gelassenheit selbst, also die Auswirkungen, die dem Praktizieren von Achtsamkeit zugeschrieben werden.

All das kann auch entstehen, wenn wir achtsam sind, aber das sind dann die Auswirkungen. Und sicherlich reicht es nicht, zwischendurch ab und zu mal achtsam zu sein und schwupdiwup bin ich erleuchtet und tiefenentspannt. Das können wir uns also auch schon mal abschminken.

achtsamkeit

Achtsamkeit ist der Akt an sich und das bedeutet, sich dessen bewusst zu sein, was gerade in diesem Moment innen und außen geschieht. Und das funktioniert nunmal nicht von jetzt auf gleich, sondern bedarf ein wenig oder auch ein wenig mehr Übung. Und um es gleich vorweg zu nehmen: es ist ein lebenslanger Prozess. Auch der Geübte wird sich immer wieder in Achtsamkeit üben müssen, nur, dass es ihm irgendwann viel leichter fällt.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, die eigene Achtsamkeit zu schulen. Yoga und Meditation helfen z.B. dabei, die Dinge – im Inneren wie im Äußeren – einfach erstmal bewusst wahrzunehmen, ohne sie zu kommentieren, zu werten und zu vergleichen. Und auch das funktioniert nicht sofort, sondern ist ein Übungsweg.

Je geübter wir darin sind, desto einfacher wird es auch, Achtsamkeit im Alltag zu integrieren und so immer mehr im Hier und Jetzt zu leben. Jiddu Krishnamurti – von dem ich gestern zum ersten Mal etwas gelesen habe und sofort zutiefst berührt war – beschreibt Achtsamkeit als ein aufmerksames Beobachten, ein Gewahrsein, das völlig frei von Motiven oder Wünschen ist, ein Beobachten ohne jegliche Interpretation oder Verzerrung. Hört sich richtig toll an, aber das ist alles andere als einfach.

Achtsamkeit war jahrelang etwas, was ich maximal unbewusst praktiziert habe. Genau genommen war es aber ein absolutes Fremdwort für mich – mein Inneres hat sich danach gerichtet, was das Äußere vorgab. Und das Äußere ist letztendlich ein Produkt des jahrelangen Anhaftens an Gedanken, Gefühlen, Motivationen, die sich durch vergangene Begebenheiten und Momente eingebrannt und verfestigt haben.

Ich kann auch heute nicht behaupten, immer achtsam zu sein. Und nur allzugerne mache ich es mir immer mal wieder richtig „bequem“ auf der alten Couch, auf der ich mich immer so sicher gefühlt habe. Glücklicherweise merke ich mittlerweile recht schnell, dass der alte „Federkern“ ganz schön piekst und das alte Ding echt richtig über ist.

Dabei helfen mit Achtsamkeitsübungen, die ich in der Meditation, in der Asana-Praxis, beim Spazierengehen und auch in ganz vielen alltäglichen Dingen immer wieder schule. Wenn heute Ärger aufkommt, dann nehme ich dieses Gefühl bewusster wahr. Ich kann den Ärger nicht immer einfach abschütteln, aber ich schaffe es immerhin, ihm nicht sofort „freien Lauf“ zu lassen. Und oft verschwindet das Gefühl ganz von alleine wieder. Auch das ist Achtsamkeit. Ich nehme Gefühle und die auslösenden Gedanken als das wahr, was sie sind: Momentaufnahmen und mein subjektives Empfinden. Und allein dieses Bewusstsein hilft schon dabei, sich nicht allzusehr mit den eigenen Gedanken und Gefühlen zu identifizieren. Wie sagt doch Michael Feike so treffend: „Wir müssen nicht auf jeden Gedankenzug, der vorbeifährt, aufspringen …

Wem es gelingt, achtsam(er) durch Leben zu gehen, der lebt im Hier und Jetzt. In Kürze werde ich euch meine Lieblings-Achtsamkeitübungen vorstellen und dann viel Freude beim erLeben.

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