Ich „renne“ schon seit vielen Jahren, mal mehr und mal weniger. Zwischendurch gab es aber auch immer wieder lange Pausen – wir führten quasi so eine On-Off-Beziehung, die Rennerei und ich. Es gab Zeiten, da mochte ich sie ganz gerne und dann war da wieder absolutes Desinteresse. Und obwohl mir das Laufen an sich immer gut getan hat, gab es immer wieder jene Momente, an denen ich mich nicht mehr aufraffen konnte, wo mich allein der Gedanke an die Lauferei einfach nur noch gestresst hat …

Nach einer erneuten Trennung bin ich jetzt seit Mitte Juli wieder „in einer Verbindung“. Diesmal ist sie sehr eng und liebevoll – ich würde fast sagen „I´m in love“.

Es ging mir körperlich und mental nicht wirklich gut und durch eine Schulterverletzung musste ich in Sachen Yoga kürzer treten. Also habe ich mich entschlossen, es noch einmal mit dem Laufen zu probiere. Diesmal habe ich allerdings ein paar Dinge anders gemacht als sonst. Und siehe da, so schön wie gerade war es noch nie zwischen uns – es knistert richtig …

 

Das habe ich anders gemacht …

Genau genommen nicht viel außer, dass ich den Druck und auch die Erwarten komplett rausgenommen habe.

Ich bin sonst immer mit Smartphone gejoggt, um die Strecke und die Zeit festzuhalten. Das war so lange prickelnd, bis die Fortschritte ausblieben. Denn es gab immer Tage, an denen aus dem „Rennen“ eher ein „Schneckenrennen“ wude. Und das dann auch noch schwarz auf weiß durch die App bestätigt zu kommen, macht nicht unbedingt gute Gefühle. Du kennst das sicher – viele Sportfreude posten ihre Ergebnisse immer direkt auf Facebook und wenn sie mal „eine schlechte Zeit“ gelaufen sind, heißt es im Kommentar „so lala“ und der Smilie zieht eine ordentliche Flunsch oder heult Rotz und Wasser … Hallo?

Okay, es ging mir eine zeitlang ähnlich, da habe ich dann aber nur die „Erfolge“ gepostet 😉 … Jetzt bleibt das Smartphone ganz einfach zu Hause, ich habe alle erdenklichen Erwarten an mich und das Laufen zur Seite geschoben und der Weg ist jetzt das Ziel. Ich laufe, um zu laufen – ganz egal, wie schnell oder langsam ich bin oder wie viele Kilometer ich „abreiße“ …

Früher habe ich auch sehr oft Musik beim Laufen gehört, und auch das habe ich mir abgewöhnt. Warum? Ganz einfach: wenn ich laufe, laufe ich. Und ich möchte mich dabei nicht mehr ablenken lassen, sondern die Ruhe genießen. Die Natur erleben, Geräusche um mich herum wahrnehmen oder den Wind auf meiner Haut spüren. Manchmal beobachte auch einfach den Atem. Einfach im Augenblick sein!

Ich habe gemerkt, wie gut mir das tut. Die Laufmeditation ist für mich eine Erfrischung und Ruhe gleichermaßen.

Und klar, denke ich auch. Die Aussage vieler Läufer, dass sie beim Laufen „den Kopf frei bekommen“, glaube ich auch nur so halb, denn gerade dann, wenn man mal nicht von Smartphone und Co abgelenkt ist, rattert es nämlich ganz schön da oben! Es denkt und denkt und denkt. Aber das tut es so oder so, egal ob ich sitze oder ob ich laufe …

Und es ist eine Sache der Übung, den Kopf wirklich mal ganz abzuschalten … Und so lasse ich eben die Gedanken immer wieder ziehen, sobald ich sie bemerke und kehre zurück zu den Atem- oder Sinneswahrnehmungen. Jedenfalls dann, wenn ich destruktive und einengende Gedanken bemerke. Aber dann tauchen hin und wieder auch richtig kluge Gedanken und tolle Ideen auf, die ich dann auch zulasse – und, wenn ich sie nicht wieder vergesse, auch umsetzte.

 

Allein oder zu zweit …?

Wenn ich meine Laufmeditation mache, dann erübrigt sich die Frage. Dann sind da nur der Weg und ich – keine antreibende „Runtastikstimme“, keine „Mitläufer“ und auch kein „Ben der Hund“ – nur der Weg und ich – sonst nichts. Stille. Friede. Freiheit …

Das heißt nicht, dass ich nicht auch gerne mal mit einer Freundin laufe oder natürlich ist auch mal der Hund dabei oder vielleicht auch mal wieder fetzige Musik. Aber das ist dann eben was anderes …

Ich laufe jetzt seit gut sechs Wochen wieder sehr regelmäßig und habe ja auch nochmal meine Ernährung umgestellt.

Es geht mir körperlich und mental derzeit richtig gut, ich bin weitestgehend ausgeglichen und die Tage wollte ich z.B. garnicht mehr anhalten, so schön war der morgige Meditationslauf, an dem einige Kilometer unterwegs war. Einfach nur ruhig und schön.

Die Laufmeditation hat den Vorteil, dass ich nicht nur super entspanne, sondern gleichzeit etwas für den Körper tue und in der Natur bin. Ich kann nur jeden anraten, es auszuprobieren!

Lasse es am Anfang langsam angehen oder walke, das mache ich immer noch zwischendurch. Aber: es ist so wichtig, am Ball zu bleiben und wirklich regelmäßig zu üben – das gibt ja für die normale Meditation ganz genauso …

Fange erst mit leichtem Lauftraining an une wenn du dann deinen Laufrhythmus gefunden hast, mache daraus (d)eine Meditation – es ist einfach wundervoll! Just love it!

 

Tipps, um das Laufen mehr und mehr zur Meditation werden zu lassen …

Wichtig ist, eine für dich optimale Laufzeit zu finden. Bei mir ist es der Morgen, da fühle ich mich am besten und da fällt mir das Laufen leicht. Ich habe das Glück, dass ich direkt eine wundervolle Laufstrecke vor dem Haus habe. Wenn das nicht gegeben ist, würde ich ruhig etwas raus fahren, um an einem schönen Ort, wo du nicht durch Straßenverkehr gestört wirst, mit der Laufmeditation zu beginnen …

Wenn du Ort, Zeit und deinen Laufrhythmus gefunden hast, versuche, den Fokus auf einen der folgenden Aspekte zu richten:

  1. Atem – Beobachte einfach deinen Atem oder zähle die Atemzüge …
  2. Geräusche (oder andere Sinneswahrnehmungen) – Fokussiere dich auf die Geräusche, die du gerade wahrnehmen kannst, bleibe neutral.
  3. Körperempfinden – spüre deinen Körper.
  4. Mantra, z.B. „So-ham“ – Fokussiere dich auf ein Mantra deiner Wahl, wiederhole es im Geiste immer wieder.
  5. Affirmation – um sich selbst mehr zu motivieren, helfen positive Affirmationen, die man – wie ein Mantra – immer wieder im Geist wiederholt. „Ich schaffe das“, „Ich fühle mich leicht“, „Das Leben ist schön“, „Ich bin ruhig und gelassen“. Finde etwas, was zu dir passt und probiere es aus …
  6. Beobachte dich selbst ganz neutral, als wärst du der Hauptdarsteller in einem Film.
  7. Wenn du richtig geübt bist, sei einfach im Hier und Jetzt und nimm das wahr, was gerade ist. Bleibe wertfrei. Beobachte einfach nur.

Was ich darüber hinaus immer gerne mache: ich verstärke positive Gefühle. Sobald ich wahrnehme, dass es mir gut geht, gebe ich diesem Gefühl Raum und erlaube, dass es sich ausdehnt. Das ist super wohltuende und gibt Kraft für den ganzen Tag!

Namaste,

 

 

 

P.S.: Ich praktiziere natürlich auch noch weiterhin regelmäßig meine Sitzmeditation und stelle fest, dass sie mir, seitdem ich mich körperlich wieder soviel besser fühle, deutlich leichter fällt und ich wirklich mehr und mehr „abschalten“ kann …

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