Wer sich schon länger mit Yoga und Meditation beschäftigt, wird sicherlich schon einmal gehört haben, dass er sich seine Gedanken vorstellen solle, als seien sie Wolken am Himmel, die irgendwann wieder vorüber ziehen.

Dieses Bild nutze ich auch gerne in meinem Unterricht.

Als ich in den letzten Tagen mal in die Luft geguckt habe, musste ich doch schmunzeln … Jau – ein praller Gedankenhimmel in allen Farben und Formen.

Und so sieht es genau genommen den ganzen Tag in unseren Köpfen aus – mal sind die Gedanken etwas heller, mal dunkler, mal sehr flüchtig und fast durchsichtig, dann wiederum scheint es so, als wollen sie überhaupt nicht mehr vorrüber gehen. Dunkel und schwer begleiten sie uns den ganzen Tag … Zwischendurch lugt vielleicht ein kleiner Lichtblick hervor, doch dann überdecken die dunklen Regenwolken ganz schnell wieder das helle Lichtlein – und von Klarheit so weit und breit nichts zu erkennen …

gedankenmeditation3Wir Menschen denken rund 60.000 Gedanken am Tag. Alleine bei diesem einzigen Gedanken werde ich schon ganz müde. Das ist echt anstrengend, zumal viele Gedanken einfach nur Bullshit sind. Und das soll ich mir auch noch in der Meditation reinziehen?

Ganz genau! Wenn du dir nämlich häufiger mal die Zeit nimmst, das Chaos da oben wirklich anzuschauen und dir deines Denkens bewusst zu werden, dann hast du eine gute Chance, mit nervtötenden und destruktiven Gedanken besser umzugehen! Wie? Indem du sie zu allererst überhaupt einmal wahrnimmst! Die meisten Menschen sind sich ihrer Gedanken überhaupt nicht bewusst – die Gedanken haben sie völlig im Griff, so dass sie sich vollständig mit ihnen identifizieren!

Das hat zur Folge, dass sie meistens nur dann glücklich sind, wenn etwas „Schönes“ im Außen passiert, sie z.B. Lob und Anerkennung erhalten. Und wenn das Gegenteil passiert, dann ist im wahrsten Sinne des Worte die „Kacke am Dampfen“. Dann routiert der Geist, grämt sich, macht Schuldzuweisungen, vielleicht kommt Neid auf – der Wolkenhimmel wird immer dunkler und dunkler und da oben rummelt und grummelt es, ohne das wir es merken. Wir sind so sehr in den destruktiven Gedanken und den daraus resultierenden Gefühlen, die nicht minder destruktiv sind, verstrickt, dass wir das energieraubende Gezeter garnicht mitbekommen. Nein, wir meinen, wir sind unsere Gedanken und Gefühle!

gedankenmeditation2Ich bin so wütend! Ich bin so niedergeschlagen. Ich bin so enttäuscht! Das muss man sich wirklich mal vor Augen halten, wer und was man so alles ist! Eckard Tolle nennt diese destruktiven Gedanken und Gefühle Schmerzkörper. In der Gedankenmeditation lernen wir sie besser kennen, unsere diversen Schmerzkörper. Wir lernen auch, was die Gedanken mit uns machen, was für Gefühle sie hervorrufen und wie diese sich körperlich anfühlen. Und – ganz wichtig – wir lernen mit der Zeit auch, diese Schmerzkörper auszuhalten, sie nur anzuschauen, ohne gleich „kopflos“ zu handeln.

Meist ist es so: es passiert was im Außen und unser Ego schaltet sofort auf „Alarm!“. Da will uns wer ans Bein pinkeln. Gefahr = Lebensgefahr! Und oft handeln wir dann im Affekt heraus, weil uns der Gedanke bereits ganz in Besitz genommen hat.

Nicht wirklich schön, oder? Aber es gibt auch gute Nachrichten, denn du kannst dich in Gewahrsein üben und den Spieß umdrehen, so dass du die Macht über deine Gedanken zurück eroberst! Okay, das geht in den allermeisten Fällen nicht von heute auf morgen, aber es funktioniert! Mit Meditation und Achtsamkeit. Fang doch einfach mal an. Setze dich hin und beobachte, was da oben gerade los ist. Und lasse dann immer wieder los. Beobachte, ob der Gedanke sich wieder aufdrängt oder ob sich ein neuer Gedanke den Weg in dein Bewusstsein bahnt. Schaue einfach zu, was sich zeigt und versuche, die Position eines neutralen Zeugen einzunehmen.

gedankenmeditation4Mit etwas Übung wird dann Gedankenhimmel immer klarer und klarer. Und genau diese Klarheit ist es – nicht die dunklen aber auch nicht die hellen Wolken – die dir die Freiheit und das Glück bringen, nach denen du dich so sehnst.

Ich wünsche dir von Herzen, dass dein Himmel immer klarer wird.

Namaste!

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